Stockwerkeigentum in der Schweiz: Rechte, Pflichten und typische Herausforderungen
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Was Eigentümer wissen müssen – und warum professionelle Verwaltung entscheidend ist
Stockwerkeigentum ist in der Schweiz die häufigste Form von Wohneigentum in Mehrfamilienhäusern. Doch viele Eigentümer unterschätzen, wie komplex diese Eigentumsform tatsächlich ist.
Wer eine Stockwerkeinheit besitzt – oder kaufen möchte – sollte die grundlegenden Rechte, Pflichten und organisatorischen Besonderheiten kennen. Denn gut funktionierendes Stockwerkeigentum entscheidet nicht nur über Wohnqualität, sondern auch über Werterhalt und Konfliktfreiheit.
Dieser Leitfaden erklärt:
Was Stockwerkeigentum rechtlich bedeutet
Was Sonderrecht und gemeinschaftliche Teile unterscheidet
Welche Rechte und Pflichten Eigentümer haben
Wie die Verwaltung funktioniert
Wo typische Konflikte entstehen
Und warum strukturierte, digitale Verwaltung zunehmend wichtig wird
Was ist Stockwerkeigentum?
Stockwerkeigentum ist eine besondere Form des Miteigentums an einem Grundstück und wird im Schweizerischen Zivilgesetzbuch geregelt (Art. 712a ff. ZGB).
Es kombiniert zwei Elemente:
Alleineigentum am sogenannten Sonderrecht (z. B. der eigenen Wohnung)
Miteigentum an den gemeinschaftlichen Teilen (z. B. Dach, Fassade, Treppenhaus)
Wichtig: Stockwerkeigentum entsteht erst mit der öffentlichen Beurkundung und der Eintragung im Grundbuch. Ohne Grundbucheintrag besteht kein selbstständiges Stockwerkeigentum (vgl. Informationen des Bundesamts für Justiz zum Grundbuchwesen).
Jede Einheit erhält eine sogenannte Wertquote, meist in Tausendsteln ausgedrückt. Diese bestimmt:
den Anteil an den gemeinschaftlichen Kosten
das Stimmgewicht in der Eigentümerversammlung (sofern nicht anders geregelt)
Sonderrecht vs. gemeinschaftliche Teile – einfach erklärt
Sonderrecht
Zum Sonderrecht gehören in der Regel:
Wohnräume (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad)
Innenwände (nicht tragend)
Bodenbeläge, Malerei, Tapeten
Innentüren
Kücheneinrichtungen und Sanitäranlagen innerhalb der Einheit
Hier darf der Eigentümer grundsätzlich frei gestalten – solange keine gemeinschaftlichen Teile oder andere Eigentümer beeinträchtigt werden.
Gemeinschaftliche Teile
Zwingend gemeinschaftlich sind u. a.:
Grund und Boden
Fundamente und tragende Mauern
Dach
Fassade
Treppenhaus, Lift, Eingangsbereich
Hauptleitungen (Wasser, Strom, Gas)
Heizungsanlagen
Gartenanlagen
Bei Elementen wie Balkonen, Fenstern oder Kellerabteilen kommt es auf das Reglement an.
Rechte der Stockwerkeigentümer
Eigentümer haben unter anderem das Recht:
ihre Einheit ausschliesslich zu nutzen
gemeinschaftliche Teile mitzubenutzen
an der Versammlung teilzunehmen
Anträge zu stellen
Einsicht in Unterlagen (Budget, Abrechnung, Protokolle) zu erhalten
ihre Einheit zu verkaufen, vermieten oder verpfänden
Auch Sondernutzungsrechte (z. B. Gartensitzplatz, Parkplatz) können bestehen – diese sind jedoch kein Eigentum, sondern Nutzungsrechte.
Pflichten der Stockwerkeigentümer
Mit den Rechten gehen klare Pflichten einher:
Zahlung der gemeinschaftlichen Kosten
Beiträge an den Erneuerungsfonds
Einhaltung des Reglements und der Hausordnung
Rücksichtnahme auf andere Eigentümer
Duldung notwendiger Unterhaltsarbeiten
Unterhalt des eigenen Sonderrechts
Gerade bei baulichen Änderungen gilt:
Sobald gemeinschaftliche Teile oder das äussere Erscheinungsbild betroffen sind, ist die Zustimmung der Gemeinschaft erforderlich.
Die Stockwerkeigentümergemeinschaft & ihre Organisation
Die Gesamtheit der Eigentümer bildet die Stockwerkeigentümergemeinschaft.
Sie ist zwar keine juristische Person, kann jedoch unter eigenem Namen handeln, klagen und betrieben werden.
Oberstes Organ:
Die Stockwerkeigentümerversammlung
Sie entscheidet über:
Budget
Jahresrechnung
Wahl des Verwalters
bauliche Massnahmen
Einlagen in den Erneuerungsfonds
Je nach Beschluss sind unterschiedliche Mehrheiten erforderlich:
einfaches Mehr
qualifiziertes Mehr (Mehrheit der Eigentümer und der Wertquoten)
Einstimmigkeit
Kosten, Erneuerungsfonds und finanzielle Transparenz
Gemeinschaftliche Kosten werden grundsätzlich gemäss Wertquote verteilt.
Typische Kosten:
Gebäudeversicherung
Heiz- und Warmwasserkosten
Verwaltungshonorar
Hauswartung
Allgemeinstrom
Gartenpflege
Der Erneuerungsfonds dient der langfristigen Finanzierung grösserer Sanierungen (z. B. Dach, Fassade, Heizung).
Ein gut dotierter Fonds:
verhindert hohe Einmalzahlungen
erhöht die finanzielle Stabilität
steigert die Attraktivität beim Verkauf
Transparenz in Budget und Abrechnung ist hier entscheidend.
Typische Herausforderungen im Stockwerkeigentum
In der Praxis entstehen Konflikte häufig durch:
Unklare Zuständigkeiten
Uneinigkeit bei Sanierungen
Unzureichend geführte Protokolle
Fehlende Transparenz bei Kosten
Emotionale Entscheidungsprozesse
Mangelnde Kommunikation
Bei anhaltenden Streitigkeiten ist in der Regel zunächst die Schlichtungsbehörde am Ort der Liegenschaft zuständig, bevor ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird (vgl. Informationen des Bundes zum zivilrechtlichen Schlichtungsverfahren).
Stockwerkeigentum erfordert:
Kompromissbereitschaft
klare Strukturen
professionelle Organisation
Warum professionelle – und zunehmend digitale – Verwaltung entscheidend ist
Je grösser die Liegenschaft, desto komplexer die Verwaltung.
Eine professionelle Verwaltung übernimmt:
Organisation der Versammlungen
Budgetierung & Buchhaltung
Umsetzung von Beschlüssen
Koordination von Unterhalt & Sanierungen
Führung des Erneuerungsfonds
transparente Kommunikation
Moderne digitale Lösungen unterstützen dabei zusätzlich:
Automatische Berechnung von Stimmen und Quoten
Digitale Dokumentenablage
Transparente Budgetübersichten
Strukturierte Kommunikation
Nachvollziehbare Protokolle
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Fazit: Stockwerkeigentum funktioniert nur mit klaren Strukturen
Stockwerkeigentum verbindet individuelles Eigentum mit gemeinschaftlicher Verantwortung.
Wer die Grundlagen versteht und auf transparente, strukturierte Verwaltung setzt, schafft:
Werterhalt
Planungssicherheit
Konfliktprävention
nachhaltige Liegenschaftsentwicklung
Gut organisiertes Stockwerkeigentum ist kein Zufall –sondern das Ergebnis klarer Regeln und professioneller Umsetzung.




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